Veröffentlicht 20 Oct 2026

Ein Buchungsbutton allein ist noch keine Integration

Warum CASABLANCA seine Booking Engine mit TYPO3 und WordPress verbindet und Headless wichtiger wird.
TechnologieStories

Ein Gespräch mit Martin Hairer, CTO von CASABLANCA, über die eigene Hotelwebsite, offene Schnittstellen und die Frage, wem die digitalen Inhalte eines Hotels gehören sollten.

Frage: Du hast 2025 eine neue Booking Engine vorgestellt. Warum braucht es jetzt zusätzlich eine TYPO3-Extension und ein WordPress-Plugin? War die Booking Engine nicht fertig?

Martin Hairer: Doch. Mit der Booking Engine bekommst du einen gehosteten Buchungsprozess einschließlich der Umgebung für die Zahlungsabwicklung. Du kannst von deiner Hotelwebsite auf deine Buchungsseite verlinken und damit direkt verkaufen. Zugleich ist die Booking Engine für uns eine technologische Grundlage für weitere Innovationen. Ein Beispiel ist unser kürzlich veröffentlichter Sprachassistent WAVE. Mit den CMS-Integrationen gehen wir einen weiteren Schritt: Du kannst die Möglichkeiten der Booking Engine unmittelbar auf deiner Hotelwebsite nutzen.

Aber deine Hotelwebsite ist mehr als der Weg zu einem Buchungsformular. Dort zeigst du, was dein Haus besonders macht. Deine Gäste sollen Zimmer und Pauschalen entdecken, einen Reisezeitraum wählen, Verfügbarkeiten sehen und eine Vorstellung vom Preis bekommen. Wenn all das erst nach einem Klick auf einer anderen Seite beginnt, verschenkst du Möglichkeiten. Die neue Integration bringt ausgewählte Informationen und die ersten Schritte der Suche dorthin, wo dein Gast bereits ist: auf deine Website.

Frage: Du hättest doch einfach den alten Web-Widgets ein neues Aussehen geben können.

Martin: Unsere Geschichte reicht weiter zurück. Wir haben schon um 2010 Teile unserer Systeme in die Cloud verlagert und arbeiten seither in einer hybriden Umgebung. Die damaligen Homepage- beziehungsweise Web-Widgets waren ausgesprochen beliebt. Damit konntest du Buchungsfunktionen auf deiner Hotelwebsite bereitstellen.

Mit der neuen Booking Engine wollten wir die Frage größer stellen. Ein Eingabefeld für An- und Abreise ist hilfreich. Aber die Informationen über Zimmer, Bilder, Beschreibungen, Pauschalen und Preise existieren bereits in den CASABLANCA-Systemen. Warum soll ein Hotel sie an mehreren Stellen pflegen oder auf der Website nur einen Ausschnitt davon zeigen? Und warum soll die eigene Website ausgerechnet bei den Informationen dünn werden, nach denen Gäste suchen?

Frage: Beginnen wir mit der einfachsten Lösung. Was kannst du als Hotelier heute tun, ohne ein Plugin zu installieren?

Martin: Du kannst direkt auf die gehostete Booking Engine verlinken. Außerdem kannst du über URL-Parameter Angaben wie den gewählten Reisezeitraum übergeben. Dein Gast wählt dann beispielsweise auf deiner Website Anreise und Abreise und sieht diese Auswahl nach dem Wechsel zur Booking Engine bereits vorausgefüllt. Das ist ein sinnvoller, dokumentierter Weg.

Nur ist „einfach“ aus Sicht eines Softwareunternehmens nicht immer einfach für ein Hotel oder seine Agentur. Zwei Datumsfelder korrekt einzubinden, Eingaben zu prüfen und Parameter sauber zu übergeben kostet Arbeit. Vor allem beantwortet ein solcher Link noch nicht die Frage, wie aktuelle Zimmer- und Angebotsinformationen auf die Hotelwebsite gelangen. Genau dort setzen die Integrationen an.

Frage: Warum habt ihr euch zuerst für WordPress und TYPO3 entschieden? Weltweit ist TYPO3 doch relativ klein.

Martin: Die weltweiten Zahlen allein hätten uns kaum zu TYPO3 geführt. W3Techs weist derzeit WordPress mit einem Anteil von 40,2 % aller untersuchten Websites und 58,8 % Marktanteil unter den erkannten CMS aus. TYPO3 liegt bei 0,3 beziehungsweise 0,5 Prozent. Die Bezugsgrößen sind verschieden; die Zahlen sagen außerdem nichts darüber aus, welches System ein konkretes Hotel oder eine Agentur einsetzt.

Unser Schwerpunkt liegt im deutschsprachigen Raum. Dort begegnet uns TYPO3 im Agenturgeschäft und bei professionell betreuten Websites deutlich häufiger, als es die globale Rangliste vermuten lässt. WordPress ist gleichzeitig so verbreitet, dass man es bei einer praxistauglichen Lösung berücksichtigen muss. Wir haben also nicht zwei Systeme gewählt, um einer abstrakten Weltrangliste zu folgen, sondern um den Arbeitsalltag unserer Kunden und ihrer Webagenturen zu treffen.

Frage: Setzt du damit auf klassische Content-Management-Systeme, während Agenturen immer häufiger eigene Frontends bauen?

Martin: Die Grundlage ist unsere Booking Engine API. Wenn du eine eigene, headless Architektur oder ein individuell entwickeltes Frontend betreibst, kannst du die Daten darüber integrieren. Mit der TYPO3-Extension und dem WordPress-Plugin bekommst du zwei konkrete Implementierungen auf dieser Grundlage. Du kannst damit schnell einsteigen und zugleich sehen, wie eine Integration aussehen kann. Für den eigentlichen Abschluss nutzt du weiterhin die gehosteten Seiten, gerade für die Zahlungsabwicklung.

Frage: Was kann dein Gast auf einer Website mit dieser Integration tatsächlich sehen?

Martin: Du oder deine Agentur wählt die Bausteine passend zur Seite aus. Eine Suchleiste kann Reisedaten und Belegung aufnehmen und die Suche in der Booking Engine fortsetzen. Ein Verfügbarkeitskalender zeigt, was für einen Zeitraum buchbar ist. Ein Preisteaser kann beispielsweise den günstigsten Einstiegspreis innerhalb eines definierten Zeitfensters anzeigen.

Dazu kommen Übersichten und Detailansichten für Zimmer und Pauschalen. Ein Zimmer kann mit Bild, Kurztext oder ausführlicher Beschreibung erscheinen; auf seiner Detailseite lässt sich auf Wunsch die Verfügbarkeit genau dieses Zimmers zeigen. Ähnlich funktioniert es bei Pauschalen. Von jedem passenden Einstieg aus gelangt der Gast mit seiner Auswahl in die Booking Engine. Die Bausteine können an verschiedenen Stellen der Website stehen und an deren Gestaltung angepasst werden.

Frage: Ein Preis auf deiner Website klingt gut, bis er nicht mehr stimmt. Woher kommen deine Daten, und wie aktuell sind sie?

Martin: Wir unterscheiden zwischen Inhalten, die sich vergleichsweise selten ändern, und Informationen, für die Aktualität entscheidend ist. Zimmertexte, Bilder und andere Stammdaten werden aus der Booking Engine in das CMS synchronisiert und regelmäßig aktualisiert. In der TYPO3-Integration gibt es dafür unter anderem einen geplanten täglichen Lauf sowie Möglichkeiten zur erneuten Synchronisation. Für dynamische Informationen wie Verfügbarkeit und aktuelle Preise nutzt die Website eine serverseitige Verbindung zur API.

Das ist eine bewusste Architekturentscheidung: Deine Website kann Inhalte aus dem eigenen System ausgeben, während zeitkritische Daten bei Bedarf abgefragt werden. Trotzdem solltest du mit deiner Agentur Caching und Hosting sorgfältig konfigurieren und die Darstellung konkreter Preise genau prüfen. Ein angezeigter Einstiegspreis für einen Zeitraum ist kein Versprechen, dass jedes Zimmer an jedem Tag zu diesem Preis verfügbar ist.

Frage: Was bedeutet „serverseitig“ für die Sicherheit deiner Website?

Martin: Der Browser des Gastes soll keinen API-Schlüssel erhalten. Die Verbindung zur Booking Engine API läuft vom Server der Hotelwebsite aus. Für TYPO3 kann die Anbindung pro Site und Booking-Engine-Space konfiguriert werden; dazu gehören die entsprechenden Zugangsdaten. Das CMS übernimmt die Synchronisation und stellt die benötigten Frontend-Bausteine bereit. In WordPress ist das Grundprinzip vergleichbar, auch wenn Bedienung und Begriffe des CMS anders sind.

Der Weg über den eigenen Webserver hat außerdem eine praktische Kehrseite: Dessen Qualität zählt. Unsere API kann schnell antworten; die vom Gast wahrgenommene Zeit hängt ebenso vom Hosting der Hotelwebsite, ihrer Konfiguration und dem Weg zwischen Browser, Webserver und API ab. Deshalb gehören Leistungstests zur Integration.

Frage: Du sprichst häufig davon, dass Hotelinhalte dadurch besser gefunden werden. Versprichst du bessere Google-Rankings und Sichtbarkeit in KI-Antworten?

Martin: Ein solches Versprechen wäre unseriös. Unsere Überlegung ist einfacher: Wenn relevante Zimmer- und Angebotsinformationen tatsächlich auf der Hotelwebsite stehen und für Crawler zugänglich sind, haben Suchmaschinen und Dienste mit Websuche überhaupt erst die Möglichkeit, diese Informationen dort zu erfassen. Ein bloßer Link auf eine Buchungsseite bietet der Hotelwebsite weniger eigenen, aktuellen Inhalt.

Das kann die Auffindbarkeit unterstützen. Ob eine Seite indexiert, prominent angezeigt oder in einer KI-Antwort erwähnt wird, entscheiden aber viele Faktoren außerhalb unserer Kontrolle. Die Integration schafft eine bessere inhaltliche Grundlage; weder gute Texte noch technische Suchmaschinenoptimierung oder die laufende Pflege der Hotelwebsite.

Frage: Du nennst die Integration „anpassbar“. Wie weit kannst du damit wirklich gehen?

Martin: Die Bausteine schreiben dir keine fertige Hotelwebsite vor. Du wählst, welche Elemente erscheinen, welche Informationen eine Übersicht zeigt und ob eine Detailansicht einen eigenen Verfügbarkeitskalender enthält. Du kannst die Oberfläche mit den Mitteln deines CMS und über eigene CSS-Klassen in dein bestehendes Design einbinden. Übersetzungen sind vorgesehen; Formulierungen kannst du an die Sprache deines Hauses anpassen. Bei TYPO3 berücksichtigen wir außerdem die Arbeit mit mehreren Sites und deren jeweils eigener Verbindung.

Die Grenze ist ebenso klar: Wer ein völlig anderes Nutzungserlebnis bauen möchte, kann die API direkt verwenden. Die Plugins geben einen funktionierenden Ausgangspunkt und einen lesbaren technischen Bauplan, keinen Zwang zu einer bestimmten Gestaltung.

Frage: Was kostet dich dieser Bauplan? Und was meinst du mit „offen“ konkret?

Martin: Wir stellen die CMS-Integrationen als frei zugängliche Open-Source-Projekte bereit. Für die TYPO3-Extension ist AGPLv3 vorgesehen; für das WordPress-Plugin GPLv2. Wer sie verwendet, kann den Code prüfen, anpassen und daraus lernen. Bei Änderungen und Weitergabe gelten die jeweiligen Lizenzbedingungen; Agenturen sollten diese im konkreten Projekt berücksichtigen. Die Plugins selbst sollen ohne zusätzliche Lizenzgebühr zugänglich sein. Daraus folgt keine automatische Zusage für individuelle Implementierung, Wartung oder Support.

Uns ist der zweite Teil besonders wichtig: Selbst wenn eine Agentur keines der beiden CMS verwendet, kann sie sich ansehen, wie wir Synchronisation, serverseitige API-Anbindung und den Übergang in den gehosteten Buchungsprozess gelöst haben. Die API bleibt der gemeinsame Nenner.

Frage: Wie fängst du als Hotelier oder Agentur praktisch an?

Martin: Zuerst klärst du, welche Inhalte auf deiner Website einen Nutzen haben: nur eine Suchleiste, zusätzlich Preise und Verfügbarkeit oder auch vollständige Zimmer- und Pauschalenseiten. Dann richtest du oder deine Agentur den Booking-Engine-Space und die API-Verbindung in deinem CMS ein, platzierst die Bausteine und passt Texte und Design an. Schließlich prüfst du mit realistischen Reisedaten, ob die Anzeige verständlich ist und der Übergang zur Buchung die Auswahl korrekt übernimmt.

Für TYPO3 gibt es die Extension Dokumentation und eine Demo-Website. Für WordPress findest du auch die Plugin-Dokumentation und eine Demo-Website vorgesehen. Dort lässt sich das Zusammenspiel aus Hotelwebsite und Booking Engine am besten nachvollziehen.

Frage: Was möchtest du am Ende gegenüber einem einfachen „Jetzt buchen“-Button verändern?

Martin: Der Button bleibt wichtig. Aber dein Gast soll schon davor Antworten bekommen: Welches Zimmer passt zu mir? Welche Pauschale gibt es? Wann ist etwas verfügbar, und in welcher Größenordnung liegt der Preis? Du sollst diese Antworten in deiner eigenen Sprache, in deinem eigenen Design und auf deiner eigenen Website geben können. Wenn aus Interesse eine Buchung wird, führt der Weg ohne Bruch in die Booking Engine. Genau dafür haben wir diese Integrationen gebaut.

Deine Website ist der Anfang der Buchung

Ein Gast entscheidet sich selten erst beim Klick auf „Jetzt buchen“. Die Entscheidung beginnt früher: wenn er ein Zimmer entdeckt, eine Pauschale versteht und sieht, ob sein Wunschtermin verfügbar ist. Genau dort soll deine Website Antworten geben – mit aktuellen Informationen aus der Booking Engine, in der Sprache und Gestaltung deines Hauses. TYPO3 und WordPress machen diesen Weg für viele Hotels und Agenturen direkt nutzbar. Und wenn du eine eigene Lösung entwickelst, steht dir dafür die API offen. So bleibt die Buchung Teil des Erlebnisses, das auf deiner Website beginnt.